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Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?
Auf Youtube bin ich gerade über die nachfolgend verlinkten Videos gestolpert:
https://www.youtube.com/watch?v=Cu2rsdEHSXQ (vom Boot gefilmt, ab ca. 0:55)
https://www.youtube.com/watch?v=ybeGY4q2q9I (vom Boot gefilmt)
https://www.youtube.com/watch?v=IX2NJpaBCYo (vom Ufer gefilmt)
Im Beschreibungstext zu den Videos wird zusammengefasst beschrieben, was die Videos auch zeigen: Nämlich, dass bei einem hecklastig getrimmten und aufgekantet gepaddelten Canoe mit wenig Kielsprung kein Korrekturschlag notwendig ist um geradeaus zu fahren. Ich bin Anfänger und würde gerne von erfahrenen Forenten erfahren, ob das tatsächlich funktioniert und wenn ja, würde ich gerne verstehen, warum. Einerseits bin ich einfach neugierig, andererseits fände ich es reizvoll ein Bentshaft-Paddel mit hoher Frequenz zu benutzen, ohne alle paar Schläge "switchen" zu müssen.
Leider kann ich das aufgrund einer frischen Hand-OP (Carpaltunnelsyndrom) in absehbarer Zeit nicht selbst ausprobieren. :-(
Harald
#3 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Ja, das funktioniert.
So versuche ich es zumindest stromaufwärts einzurichten, um Zeitverlust durch Korrekturschläge oder Paddel-Seitenwechsel zu vermeiden. Im richtigen Winkel, ganz leicht in die Strömung aufgekantet, so dass der Paddelschlag in etwa die seitliche Gegenströmung ausgleicht. Allerdings klappt es nicht immer, der Strömungen sind unregelmässig, wie meine Paddelschläge auch.
Im flachen Wasser erlaube ich mir aber entspannteres Dahingleiten als Charles Burchill …

Meiner Ansicht nach korrigiert er ständig in der Rückholphase.

Erinnert mich irgendwie an den Pitch Stroke.
Im Video von Bill Mason so ab Min.7
https://www.nfb.ca/film/path_of_the_paddle_solo_basic/
LG Günter
#6 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Ich bin keineswegs erfahren! Sicher kommt die ultimative Antwort noch. Ich finde die Paddelschläge oder die Paddelführung nur geschickt ausgeführt; wie es sich gehört. Im ersten Filmchen könnte es sich um eine simple Seilfähre handeln. Der richtige Winkel vom Kanu zur Strömung kann die übliche Korrektur vernachlässigen, sie bleibt aus oder wird an anderer Phase des Paddelschlags eingefügt. Irgendwann ist dann doch eine gröbere Korrektur nötig, dieses fällt dann mehr oder weniger auf. Pitch Stroke kommt gut hin! Also nicht's wildes...aber brauchbar und spassig.
Grüße Mike
#7 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?
Hi,
der Gute versteht es recht geschickt, die aufgewendeten Kräfte richtig zu portionieren, d.h., durch seinen passigen Krafteinsatz verursacht er zunächst mal wenig Korrekturbedarf. Auf dem Rückweg erkennt man jedoch, wenn man den Bug des Bootes beobachtet, in der Vortriebsphase ein leichtes Gieren vom Paddel weg und erkennt auch genau, wenn der Bug auf Kurs zurückschwojt. Also : er korrigiert, aber nur minimal und ist damit der kluge Zauberlehrling, der nur Kräfte aufruft, die er dann auch beherrschen kann, ein recht feinfühliger Geselle, dem das möglicherweise so gar nicht bewußt ist, das nenne ich Talent.Dafür braucht es nichtmal einen geraden Kiel (Geradeausläufer), im Gegenteil, ein feinfühliger Paddler und ein ebenso feinfühliges, keinesfalls stures Boot machen hier noch mehr Sinn.
Jörg Wagner
#8 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?
Mit dem Stechpaddel ohne Steuerschläge geradeaus zu fahren ist m.E. eine physikalische Unmöglichkeit - es sei denn man nutzt Carving-Effekte des Boote. In den verlinkten Videos sind die geschickt ausgeführten Steuerschläge am Ende jedes Schlages gut zu sehen. Vor allem beim dritten Video sieht man sehr schön, wie der Bug am Ende jedes Paddelschlages wieder zur Paddelseite zurück gezogen wird.
Gruß
FeuchtSocke

@Jörg Wagner Besten Dank für das stimmige Bild.
Grüße Mike
Danke an alle für die rege Beteiligung! Ich habe vom Paddler in den Videos jetzt auch eine Homepage gefunden, die das (angebliche?) Geradeauspaddeln ohne Steuerschlag zu erklären scheint:
https://home.cc.umanitoba.ca/~burchil/pm_canoe/edging.html
Wenn man bis kurz unter die Seitenmitte runterscrollt, findet man eine Graphik mit vier unterschiedlich getrimmten Booten. Das zweite Boot von rechts (hecklastig und gekantet getrimmt) soll wenn ich die Zeichnung richtig interpretiere einen Richtungsimpuls in die gewünschte Richtung geben, quasi als Ersatz für den Steuerschlag. Der benetzte Teil des Rumpfes (blau-türkis) wird im Bild schräg angeströmt und begründet deshalb eine Drehung in die richtige Richtung.
Allerdings erschließt sich mir nicht, weshalb das Boot dauerhaft schräg angeströmt werden sollte; es hat ja hinten kein Steuerruder, das es schräg hält. Meiner Meinung nach wird das "Unterwasserschiff" (heißt das so?) immer gerade in Fahrtrichtung angeströmt, auch wenn das gelbe "Oberschiff" dann halt nicht in Fahrtrichtung schaut (so als ob des Boot schräg über das Wasser "schiebt").
Harald
#11 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Herrlich komplex zum Theoretisieren ...und bis ins Letzte kaum zu fassen.
Tolle Sache, wenn Paddler und Kanu als Gesamtes funktionieren! Oft reicht schon die passende "Eselsbrücke" im Kopf zu schönen Ergebnissen, W.
#12 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

#13 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Wenn man genau hin schaut, setzt Charles das Paddel etwas weiter vom Boot ein und zieht es dann zu diesem., somit setzt er dem Gieren des Bootes gleich eine Gegenkraft entgegen.
Es bedarf dann nur eine kleine Korrektur am ende des Schlages, dieses erreicht man in dem das Paddel leicht Schräg geführt wird.
Setzt man das Paddel gleich etwas Schräg ein, den Daumen der Griffhand leicht nach vorne, bedarf es keiner Korrektur des Schlages.
Gruß Frank
Andreas Schürmann
(
gelöscht
)
#14 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Zitat von HaraldG im Beitrag #10
Danke an alle für die rege Beteiligung! Ich habe vom Paddler in den Videos jetzt auch eine Homepage gefunden, die das (angebliche?) Geradeauspaddeln ohne Steuerschlag zu erklären scheint:
https://home.cc.umanitoba.ca/~burchil/pm_canoe/edging.html
Wenn man bis kurz unter die Seitenmitte runterscrollt, findet man eine Graphik mit vier unterschiedlich getrimmten Booten. Das zweite Boot von rechts (hecklastig und gekantet getrimmt) soll wenn ich die Zeichnung richtig interpretiere einen Richtungsimpuls in die gewünschte Richtung geben, quasi als Ersatz für den Steuerschlag. Der benetzte Teil des Rumpfes (blau-türkis) wird im Bild schräg angeströmt und begründet deshalb eine Drehung in die richtige Richtung.
Allerdings erschließt sich mir nicht, weshalb das Boot dauerhaft schräg angeströmt werden sollte; es hat ja hinten kein Steuerruder, das es schräg hält. Meiner Meinung nach wird das "Unterwasserschiff" (heißt das so?) immer gerade in Fahrtrichtung angeströmt, auch wenn das gelbe "Oberschiff" dann halt nicht in Fahrtrichtung schaut (so als ob des Boot schräg über das Wasser "schiebt").
Harald
Die Grafiken sind ja hübsch, doch so lange nicht das Verhältnis zu den Kräften am Paddel eingezeichnet ist, bleibt wenig verwertbares.
Ich denke die in den Grafiken beschriebenen Kräfte sind zwar da, aber sehr klein im Vergleich zu den Kräften am Paddel.
Es bereitet ja keine Mühe ein Boot konstant etwas schräg zu fahren, sieht man ja recht oft bei Solo Paddlern und manchmal auch bei Tandems.
#15 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?
** M O I N S E N **
Ja- schönes Thema ! Danke auch von mir für die anregeden Hinweise sowie für die Verlinkung der Website ...
kein uninteressanter Zeitgenosse ! Wäre bestimmt kuhl, sich das auf dem Wasser noch mal genauer erklären zu lassen
An den erwähnten Tricks und Kniffen - arbeiten ja mehr oder weniger alle - immer - oder ?
wo genau der Steuerschlag anfängt und der *reine*gerade*Powerstroke* aufhört ... p u h - > who can say
ab und zu - da ist man auf einmal wie in Trance > im Einklang mit Boot Wasser und Paddel und dem UNIVERSUUMM
der Körper bewegt sich *magic* genau wie er soll
man hat das Gefühl - jetzt isses perfekt - das ist dann wie Meditation
Klar passiert das nicht häufig und ich bin gewiss weit davon entfernt >stilvoll >kräftesparend (effizient) paddeln zu können
es verändert sich eh immer weiter / man lernt ja nie aus - oder ?
Ich teile die Auffassung das er doch ganz leicht gegen steuert
bis ganz bald - wünsche Euch allen ein schönes WE: Seb
#16 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Theoretisch funktioniert das geradeaus ohne jegliche Korrektur.
Das gekantete Kanu und der Trimm sind so eingestellt, dass das geänderte Anströnverhalten am gekanteten Rumpf den Drehimpuls (verursacht durch den Vorwärtsschlag) ausgleichen.
Das funktioniert allerdings nur bei exakter Geschwindigkeit, exaktem Winkel, exaktem Catch, exaktem Wind usw ...
In der Praxis sind diese Parameter niemals alle auf einem gleichen Wert zu halten.
Praktisch kann man so den Korrekturbedarf deutlich verringern, ganz ohne wird es aber nicht gehen.

Ja, je nach Wind (sollte konstant sein) und Winkel zum Wind, komm ich über unseren Stausee komplett rüber praktisch ohne zu korrigieren. Das
macht der Wind für mich.
Zitat von Häuptling kleine Wurzel im Beitrag #13
Wenn man genau hin schaut, setzt Charles das Paddel etwas weiter vom Boot ein und zieht es dann zu diesem., somit setzt er dem Gieren des Bootes gleich eine Gegenkraft entgegen.
Nach nochmaligem Ansehen der Videos glaube ich, dass du damit das Rätsel gelöst hast. Dein Vater war nicht zufällig Häuptling Adlerauge?

#20 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

#21 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Stimmt so nicht. Beispiele: beim Carven (Wo sind die Paddler aus dem Wildwasser?), oder wenn sich ein Kanu mit dead wood auf der Innenkurve festfrisst.
Einen Rendezvous auf Innenkurve, kannst Du tatsächlich einige Schläge lang ohne Korrektur im verwendeten Sinn ziemlich gut geradeaus fast fahren - kommt natürlich darauf an, welche Kurve man als Gerade gelten läßt. Recht hoher Krafteinsatz - wenn man so will doch wieder eine Korrektur, egalisiert dann die Drehung fast vollständig, wenn Du merkst, das Momentum, gegen das Du anpaddelst geht verloren, gibt es eine kleines Hebelchen und das Spiel beginnt von Neuem. Lustig und recht flott.
Doch: Gilt ein Vorwärtsschlag - minimal weiter vom Kanu um das Eindrehen in die Innenkurve zu verhindern - als Korrektur?
Mit Solokanus, die bis über mittlere Geschwindigkeiten recht neutral laufen und etwas akzentuiertere Chines haben, lassen sich Carvingeffekte zum Geradeausfahren nutzen. Ob dann Korrekturen beim Ausheben, Kräfte durch die Rotation des Oberkörpers, oder leicht schräges Einsetzen des Paddels mitspielen, ist eine Aufgabe von Videoauswertung, Zeitlupe - am besten von oben...und Philosophie bis Esotherik ( Können Gedanken ein Kanu lenken?)
Eigentlich egal, denn wenn auch winzigste Korrekturen ausgemacht werden könnten: wenns läuft, läuft es - und fühlt sich .... an, W
#22 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Zitat von Häuptling kleine Wurzel im Beitrag #13
Wenn man genau hin schaut, setzt Charles das Paddel etwas weiter vom Boot ein und zieht es dann zu diesem., somit setzt er dem Gieren des Bootes gleich eine Gegenkraft entgegen.
Es bedarf dann nur eine kleine Korrektur am ende des Schlages, dieses erreicht man in dem das Paddel leicht Schräg geführt wird.
Setzt man das Paddel gleich etwas Schräg ein, den Daumen der Griffhand leicht nach vorne, bedarf es keiner Korrektur des Schlages.
Klasse beobachtet. Obwohl ich das ähnlich mache, habe ich es nicht gesehen.
Meiner Meinung nach schreit ein Paddel mit schmalem, langen Blatt geradezu nach so einer Fahrweise.
Diese Technik lässt sich übrigens wunderbar mit einem slice-in (ist das die richtige Bezeichnung?) - statt Einstechen des Paddels von oben - verbinden.
#23 RE: Solo ohne Steuerschlag - funktioniert das wirklich?

Zitat von Wolfgang Hölbling im Beitrag #21
Einen Rendezvous auf Innenkurve, kannst Du tatsächlich einige Schläge lang ohne Korrektur im verwendeten Sinn ziemlich gut geradeaus fast fahren - kommt natürlich darauf an, welche Kurve man als Gerade gelten läßt.
Das geht auch mit dem Solo Plus, nur dass das Verhalten noch ausgeprägter ist: es entsteht eine langgestreckte Innenkurve, aus der ich nur schwer wieder herauskomme, denn wenn ich mit einem kleinen Bogenschlag die Kurve wieder "geradeziehe", passiert es leicht, dass das Boot aprupt in die Gegenrichtung dreht und dann nur noch mit einem kräftigen J oder sogar Heckhebel wieder zurückgezwungen werden kann. Ich finde dieses Rumpfverhalten heikel, um nicht zusagen "giftig" (je mehr Tempo, desto kritischer wird das Ganze).
Es gibt eine Erklärung für dieses Phänomen: die beim Paddelschlag seitlich angesetzte Kraft erzeugt über das dadurch entstehende Gieren des Rumpfes eine Seitwärtsströmung im Bereich des Vorschiffs zur paddelabgewandten Seite hin. Wenn der Heckbereich diese selbsterzeugte Oberflächenquerströmung passiert, wird das Heck dann ebenfalls in diese Richtung gezogen, der Rumpf macht folglich eine Gegendrehung. Da die laminaren Kräfte am Heck schwächer sind als am Bug und dieses dadurch freier schwingt (unterstützt durch den in Fahrt nach vorn verschobenen vertikalen Drehpunkt), kann die Gegenwirkung heckwärts sogar stärker sein als die Wirkung am Bug. So entsteht dann die Innenkurve zur Paddelseite hin.
Das ist natürlich stark abhängig vom Lateralplan. Ohne Kielsprung sind wegen der größeren Angriffsflächen die Auswirkungen stärker als mit deutlichem Kielsprung.
In einem Youtube-Video wird das Phänomen sehr gut beschrieben und Hand eines Modells auch demonstriert:
Understanding the ship's pivot point -3
- CANADIERFORUM
- ALLGEMEINES CANADIERFORUM
- Einsteigerfragen
- BOOTE UND ZUBEHÖR
- Boote: SELF MADE
- CANOE REVIEWS
- HOLZBOOTE | GESCHICHTE | TRADITIONELLES
- LAGERLEBEN
- Lagerleben: SELFMADE
- TOURENBERICHTE
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- GESTOHLENE AUSRÜSTUNG
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