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Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
#26 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Montag,
nach dem späten Aufstehen Wettercheck. Nicht so toll, 5Bf aus Nord mit der Option auf mehr, das heißt genau gegenan. Schräg gegenan und von der Seite probieren wir das heute nicht bei dem Wetter. Die Prognose für morgen ist auch nicht besser.
Regen, zuviel Briese und kalte Nächte um 3-8 Grad, nun sind wir schon fast im Sommer und der Mai war die letzten Jahre ein guter Wettermonat. Möchte gern wissen was wir verbrochen haben. Egal, der Campingplatz ums Hafenbecken ist mehr als steril und unromantisch, hier verdünnisieren wir uns heute.
Wir planen dicht unter Land genau gegenan nur mit AB nach Fynshavn, um ab da bei andauerndem Mistwetter die Fähre nach Soeby nehmen zu können. Das ist zwar der totale Stilbruch übelster Art, stört mich im Moment aber gar nicht, meiner Frau bin ich sogar dankbar, dass sie mich wegen meines im Moment nicht so frischen Allgemeinzustands vor die Wahl gestellt hat, mit AB und einigem anderen eigentlich unnötigem Zubehör oder gar nicht.
Vor dem Ablegen klemmt Lej sich noch mal kräftig die Finger am Steg, es wird Zeit dass wir weiter kommen.
Kaum haben wir die Nase aus dem Hafen gesteckt, beginnt das monotone, sehr langsame gegenan dampfen. Gegenan ist einfach nur langweilig und für Lej vorne wirklich nass. Er steckt nach 10 Minuten den Kopf einfach unters Deck als er die Nase voll hat, irgendwann begegnen wir der Fähre nach Soeby, kurz nach mittag sind wir in Fynshavn.
Der Hafenmeister ist Deutscher, sehr freundlich und hilfsbereit. Wir wollen morgen rüber und bei mehr als 4Bf nehmen wir die Fähre. Das Zelt steht, der Canadier liegt trockengelegt daneben, wir duschen, essen etwas und dann verschwindet Lej mit dem Kescher um mit Seestichlingen, Krabben und Seenadeln im Eimer wieder zu kommen. Wir einigen uns darauf, dass es keine Fisch-Krabbensuppe gibt.
Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Beobachten der vielen kleinen Angelboote, die man hier leihen kann und die Heute alle mit reichlich guten Dorschen und Wittlingen einlaufen. Bin selbst öfter am Wochenende hier mit dem Kanu raus und habe auch schöne Meerforellen und Hornies gefangen.
An das Einschlafen auf den luftleeren Isomatten müssen wir uns erst noch besser gewöhnen, 3 Gute Nacht Geschichten helfen dabei ganz gut.
#27 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Dienstag,
Vorhersage Nordwest 5-7Bf ist für ca. 14km gleichbedeutend mit Fähre und allergemütlichstem Frühstück dann Packen.
Vom Yachthafen ist es ein Katzensprung zum Anleger, wir sind trotzdem 20 Minuten vor der Zeit auf der Wartebahn und schauen dem Beladen der Fähre nach Bojden auf Fünen zu, 10 Minuten später sind wir dran.
Wie fast überall kommen Radfahrer als Erste an Bord, ein Kanu auf Rädern zählt dazu auch beim bezahlen. Canadier geparkt und gesichert, dann die Stufen zum Deck und ein Kakao, 35 Euro für die einfache Fahrt ist nicht wenig.
An Bord unterhalten wir uns länger mit 2 interessierten niederländischen Seekajakern auf Dänemarktour mit dem Wohnmobil.
Während der Überfahrt haben wir gerade mal 2-3Bf, außer an einem Tag in Schleimünde hat der Wetterbericht keinen Tag bis hierher die richtige Vorhersage getroffen. Temperatur und Windrichtung haben fast immer gestimmt, von den Beaufort her überwiegend 2Bf drüber oder drunter und geregnet hat es auch deutlich mehr. Für die Planung von Überfahrten ist das schon wichtig besonders wenn der Wind seitlich zum Kurs angesagt ist.
In Soeby von der Fähre runter finden wir in Wurfweite die Touristeninformation, hier decken wir uns mit aktuellen Informationen am Prospektständer ein, die hier ausliegende aktuelle Freizeitkarte über das südfünische Inselmmeer hatten wir uns schon am Anleger in Fynshavn geholt, gibts auch auf Deutsch. Auf der Karte sind alle Schutzzonen eingezeichnet, in der Regel sind die Sperren vom 01.03-15.07, sie sind unproblematisch zu umfahren.Die Karte lohnt sich, wir werden bis Langeland keine andere benutzen.
Der Hafen von Soeby hat einlaufend rechts eine betriebsame Werft, links den Yachthafen, 50m vom Anleger gibt es öffentliche Toiletten, Duschen und Waschräume.
Wir machen uns auf den Weg den Berg hinauf, auf dem höchsten Punkt in Soeby liegt unser Übernachtungsplatz(Nr.711 im Overnatning i det fri Heft). Es ist nicht witzig, dass den unangenehm steilen Berg hinauf das einzige mal sich an diesem Tag die Sonne von Anfang bis Ende zeigt und dann wieder verschwindet.
Nr.711 ist sehr schön hinter einem älteren Gehöft gelegen, mitten im Dorf und trotzdem ruhig und sehr grün, der Dusche würde ich die am Hafen vorziehen. Wir teilen uns das große Gelände mit einem Wanderer, der eine 250Gramm leichte Luftmatratze hat, die ich probeliegen darf, ein schönes Teil.
Nachdem das Zelt steht kaufen wir im 300m entfernten Sparmarkt Schinken und Käse ein, wieder zurück wird gegessen Lej geht danach ins Bett.
Da das Wasser auf dem Platz aus einem Brunnen ohne Trinkwasserqualität kommt, mache ich mit dem Zeltnachbarn noch einen Spaziergang zum Hafen mit dem 5L Trinkwasserkanister.
Wir bummeln gerade übers interessante Hafengelände, betrachten eine schöne aber heruntergekommene Holzyacht mit Heimathafen Portsmouth in England und ein paar Segler im Yachthafen als Lej aufkreuzt. Er steht weinend barfuß im Schlafanzug an der Hand eines Dänen vor mir und erzählt, das er von einem kratzenden Geist geweckt wurde, Angst bekommen und sich einen Mann auf der Straße gegriffen hat um mich zu suchen.
Ich denke er hat schlecht geträumt. Nachdem wir 1o Minuten im Schlafsack liegen fahre ich hoch, ein eigenartiges unüberhörbares Kratzgeräusch aus 15cm Entfernung dringt an mein Ohr. Hat das Kind doch nicht geträumt. Eine Ratte die ins Zelt will? Nach einem kräftigen Schlag gegen das Kratzgeräusch ziehe ich vor Schmerzen die Hand zurück.
Lampe an, Zelt auf, um die Ecke geleuchtet, das Mistvieh ist ein Igel der sich am Zelt wohl die Läuse abscheuern will, warum mus der sich ausgerechnet unser Zelt aussuchen. Ich nehme einen Stock und rolle ihn ein Stück weg, dann bekommt er eine Ladung Wasser und rennt davon.
Unwillkürlich muss ich an Axel (Axel) und den Fuchs denken, der ihn mal durchs Zelt gebissen hat. Es hätte also auch schlimmer kommen können.
Moin,
Mittwoch,
Vorhersage im Laufe des Vormittags von 6Bf abnehmend auf 2-3Bf.
Vor dem Packen streikt Lej mit dem Aufstehen, ich frühstücke allein. Wegen der anstehenden steilen Talfahrt pumpe ich die Reifen des Zölzer etwas nach, beim Hochschieben war es etwas zu wenig.
Lej ist auch ohne Frühstück ein guter Bremser, 10 Minuten später gehen wir am Slip in Warteposition, immer noch stabile 6Bf aus Nordwest.
Die Zeit wird uns nicht lang, erstens Urlaub, zweitens ist direkt nebenan ein dänisches Ehepaar mit Helfer dabei den Motor ihres bei Ebay ersteigerten geräumigen Familienschiffs zu reparieren. Interessante Sache, das Dach wird aufgeflext und mit einem kleinen Autokran und etwas Umsicht ist der Motor bald draußen.
Als ich gerade nach Lej Ausschau halte, und dabei zum Canadier an der Pier blicke sehe ich, ohne noch irgend welche Eingreifmöglichkeiten zu haben, einen Mann über unser Boot fliegen, sein Fahrrad schliddert noch ein Stückchen.
Außer ein paar Schrammen ist ihm nichts passiert, der Schock muss aber ganz ordentlich sein, denn er stolpert zu seinem Rad ohne ein Wort zu sagen und fährt so schnell er kann mit seiner Acht im Vorderreifen davon.
Er hat wohl nur zu uns geschaut und das Hindernis nicht gesehen. Der Schaden am Canadier ist nicht so tragisch.
Es ist bereits Nachmittag, der Wind steht genau aus Nordwest und lässt nicht wie angesagt nach. Sieht danach aus als ob wir unser Wunschziel schon begraben können. Lej und ich fachsimpeln ein bisschen rum und dann haben wir einen Plan.
Gehen wir direkt am Wind Richtung Nordost so weit raus bis der Canadier gut halb voll ist, können wir ein Stückchen vor den Wind gehen bis wir ihn wieder leer gepumpt haben, das wiederholen wir so oft bis wir weit genug draußen und vor den großen Steinen sicher sind. Geht es schief, treiben wir früher oder später sowieso berechenbar an. Bin mir aber sicher dass es gut geht, jetzt kennen wir das Verhalten des "neuen" Canadiers aus eigener Erfahrung.
Unter leichter Anspannung tasten wir uns aus dem Hafen, es ist ganz schön frisch. Nach gut 250m gehen wir das erste mal kurz vor den Wind, bis wir um die Ecke Richtung Südwest rum sind, kommen wir dem Ufer und Steinen öfter etwas nahe. Bei gut eineinhalb Kilometer Abstand zum Ufer laufen wir dann nur noch vor dem Wind , das Tempo macht Laune, wir wissen jetzt auch, dass er die Nase und den Hintern rechtzeitig hoch nimmt bzw. das Volumen in den Enden stimmig ist.
Die grüne Insel rauscht an Steuerbord dahin, herrliche Wolkenbilder am Himmel, an Backbord verschwindet das Ende von Avernakö, Drejö liegt querab. Wir sind wirklich schnell oder haben die vergangene Zeit nicht mit bekommen. Es ist auffällig kalt und der Regen fällt mal wieder reichlich in wiederkehrenden Schauern.
Auf Höhe Blakstensodde muss ich mich entscheiden ob wir weiter raus gehen und direkt auf die Spitze der Landzunge von Urehoved zuhalten oder um Borgneas Nakke ins Nokkeby Noor segeln.
Nein es ist schon etwas zu Riskant, vor Urehoved ist es weit raus sehr flach und die zahlreichen Steine sind bei der dort auflandigen Welle sicher nur schwer oder spät zu erkennen, dazu ist es bald Abend.
Lej murmelt etwas von Pinkelpause während es kurz über einem Flach etwas ruppiger wird. Ein bisschen pumpen und alles ist gut.
Wenig später haben wir die Steilküstenecke von Borgnaesnakke hinter uns und segeln unter Landschutz ins Nokkebynoor. Wir halten Abstand zu mehreren Krabbenreusen deren Leitnetze weit raus gehen, es wird flacher, an einer Mooringboje belege ich Potjemkin, nehme Lej auf den Rücken und stiefele an Land zur auf der Karte eingezeichneten Toilette.
Zigarette gedreht und gerade fertig geraucht auf Lej wartend, kommt der nächste Anwohner über die Straße und fragt ob wir hier auf der Dorfwiese hinter der Toilette übernachten wollen.
Eine schöne Wiese direkt am Wasser, durch eine umlaufende Rosa Rugosa Hecke windgeschützt kuschelig, am Wasser ruft eine Eiderente ihre Küken, 60m neben uns in der Birke ruft der Kuckuck. Wir nehmen dankend an, seine Frau kommt mit einem dicken Eis um die Ecke, Lej strahlt, endlich gepinkelt und dann noch ein Eis am Stiel.
Die Vorhersage für morgen wäre, würde sie anders lauten auch unglaubwürdig, 7-8Bf in Böen drüber, Strandtag, Lej ist begeistert.
Eine Stunde später liegen wir in der Koje und ich lese Lej wie gewohnt vor. Kontakt mit dem Chef zu Hause hat auch funktioniert, nur ein kurzes Stück weit gekommen, wir können damit leben.
#29 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
in der Nacht habe ich irgendwann die Füße zusätzlich in meinen Wollpulover gesteckt, mein Cats Miau von North Face ist nicht mehr der Jüngste und die 3Grad+ waren spürbar ungemütlich.
Lej fehlen frische Eier beim Frühstück, wir entschließen uns deshalb bald zum Kaufmann nach Vindeballe zu gehen, Margarine+Wurst brauchen wir auch. Die Frau vom Nachbarn kommt vorbei und hat schon wieder ein Eis in der Hand.
Ich wate zum Canadier um Lej`s Latschen zu holen. Himmel sieht der Dampfer aus, von vorne bis hinten vollgeschissen mit Möwenkacke, Generalreinigung ist sofort angesagt. Das Zeug ist ätzend, als die Putzfrau fertig ist, wandern wir bergan Richtung Vindeballe.
Der Ort mit ein paar schönen Häusern, einem Krog, einer Schule und dem Kaufmann, liegt ganz oben auf Aeroe, zurück schauend hat man eine herrliche Aussicht auf das Ohav, wie die Dänen sagen. Für uns ist es die Dänische Südsee mit einer ganzen Reihe Inseln und vielen Flachs. Im Norden sehen wir die große Insel Fünen, im Osten ist Langeland gut zu erkennen. Im Westen können wir die Schleswig-Holsteinische Ostküste sehen.
Ein kleines Stück die Straße bergab finden wir den Kaufmann. Lej bekommt zusätzlich Naschi und noch ein Eis. Für den Rückweg nehmen wir eine andere Strecke über einen Feldweg. Wir pausieren bei Pony und Esel, ein paar Fasane und wir erschrecken uns gegenseitig und schon sind wir wieder am Platz.
Der angesagte Wind aus Nordwest blieb vormittags aus, jetzt dreht er auf Südost und kommt mit ca. 7Bf, Segler suchen Schutz fürs Übernachten in unserer Bucht.
Es regnet, die Nachbarin holt Lej mit einem Eis zum Fernsehen und nimmt das Handy zum Laden mit. Ich will auch Kind sein, statt dessen baue ich das Tarp schützend vors Zelt, höre und beobachte 7 Kuckucke in den nahen Bäumen, das grenzt an Ruhestörung.
Ich stelle fest, dass die ersten 10 Literpacks Milch alle sind. Zum Abendessen gibts Goulasch mit Nudeln für Lej, für mich Putenmedaillons mit Erbsen und Bechamelkartoffeln.
Im Bett spielen wir noch ein paar Minuten "Ich sehe was was Du nicht siehst", lesen die Gute Nacht Geschichte und dann ist Licht aus.
#30 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Freitag,
Lej weckt mich um 4Uhr morgens mit, "ich kann nicht schlafen". Während es in Strömen regnet, finde ich den Ausschalter an dem Kind nicht.
Wir lesen 7 Gute Nacht Geschichten, wir spielen eine halbe Stunde "ich sehe was was Du nicht siehst", mit Strandgut auf dem Kopf schneiden wir uns gegenseitig Grimassen. Ich werde gezwungen endlose alte Abenteuergeschichten aus meiner Zeit bei der Christlichen Seefahrt und von den Jahren in Afrika und den anderen Kontinenten zu erzählen.
Zwischen 7 und 8 Uhr müssen wir beide wieder eingeschlafen sein. Gegen 10Uhr stehe ich auf und finde keine Eier für Lej zum Frühstück.
Nun waren wir einkaufen und haben die Eier verpeilt. Auf Lejs Enttäuschung hin mache ich Zugeständnisse, wir segeln nachmittags noch los zum Netto nach Aerösköbing, Lej fängt zwischendurch einen Hornhecht.
Bei moderatem Wind, geschützt gegen den Südost bis zum Ende der Steilküste an der Spitze von Urehoved ist es gemütlich, dann geht es gegen eine 3-4 etwas spritzig bis kurz vor die kleine Insel Dejrö, von dort ist es dann die letzten Meter bis zum Netto wieder ruhig.
Lej lasse ich beim Canadier, schnell die 30 Meter in den Supermarkt, Eier und ein paar Kleinigkeiten, gut ist`s.
Beim Kanu sehe ich Lej sich mit der kataloggestylten Crew einer 12 Meter Charteryacht unterhalten.
Ich gehe etwas langsamer und bekomme mit, wie sie Lej fragen ob er von Kiel hierher gesegelt ist. Als Antwort kommt: das Kanu ist ein Seeegelbooot, das kann nicht fliegen und die Frage von ihm gleich zurück" ist das eure Plastikschüssel" wobei er auf die moderne Hallberg Rassey zeigt.
Ich muss meine losen Sprüche und die Wortwahl im Gespräch mit Lej in Zukunft etwas angemessener wählen, denn irgendwann kommen wir wieder nach Hause.
Es hat etwas aufgefrischt und soll absehbar noch mehr werden und Gewitter mit Starkregen geben. Hier in der Stadt wollen wir nicht bleiben auch wenn Aerösköbing mit seinen niedrigen und stilvollen alten Häusern wunderschön ist.
Wir legen gleich wieder ab, wollen unter Motor so schnell es geht zum Zeltplatz bei Ommel in die Klövenbucht. Gerade sind wir an der Insel Lilleö vorbei als wir eine dunkle Wand von Marstal heranziehen sehen.
Der Kurs wird Richtung Ommelshoved geändert, wir gehen auf halber Strecke zwischen der Steilküste und einem einsamen praktischen Toilettenhäuschen an den Strand.
Nach kurzer Sondierung verkriechen wir uns mit dem ganzen Gerödel hinter den einzigen Busch in nächster Umgebung um etwas Schutz gegen das aus Südost heranziehende Unwetter zu haben.
Wir sind mit Aufbauen und Einrichten schneller geworden.
Noch bevor uns Gewittersturm und Regen erreichen ist alles fertig und wir machen es uns im Zelt gemütlich, Lej hält die flache Hand hoch.
Das erste Buch mit den Gute Nacht Geschichten ist in dem Haus am Nokkebynoor, bei dem netten älteren Ehepaar mit dem unerschöpflichen Vorrat an Eis am Stiel geblieben.
Könnte ja sein, dass mal einer der Leser Lust hat da mit Kind(ern) vorbei zu paddeln oder zu segeln und hat das Märchen oder Geschichtenbuch vergessen, dort könnt ihr euch bestimmt eins ausleihen.
Es gibt eine neue Gute Nacht Geschichte aus dem nächsten Buch.
#33 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Samstag. Die Luft ist feuchtkalt, das prasseln des Regens auf dem Zeltdach hat uns durch die ganze Nacht begleitet und setzt sich unaufhörlich fort. Ich will den Reißverschluß vom Zelt gar nicht öffnen.
Lej wird wach und murmelt Hunger. Ich öffne das obere Dreieck des Eingangs, 5 Meter entfernt steht unsere Ausrüstung im Schüttregen und ich verspüre nicht die geringste Lust, von der Nässe draußen etwas mit ins trockene Zelt zu schleppen.
Unsere Geduld wird enorm strapaziert, Lej philosophiert über gekochte Eier wie ein Verdurstender in der Wüste, den sicheren Tod vor Augen. Mit ein paar weiteren Geschichten von Jagd und Angelabenteuern in Alaska und dem vorderen Orient wird die Zeit überbrückt.
Kurz vor Mittag hört es auf zu regnen, ein sehr schönes Gefühl wenn die Sonnenstrahlung unmittelbar fühlbar wird.
Frühstück im Zelt, draußen ist Nässe allgegenwärtig.
Während dem Packen wechselt die Farbe des Himmels zwischen strahlendem Blau und dunklem Grau hin und her. Als wir gerade ablegen wollen unterbrechen wir und flüchten vor einem heftigen Gewitter in das Toilettenhäuschen.
15 Minuten später sind wir unterwegs zur Insel Strynoe. Die Wolken haben sich verzogen der Himmel ist klar, der Wind gerade noch ausreichend. In dem flachen, oft nur knietiefen Wasser berühre ich beim Unterstützen mit dem Paddel immer wieder den Grund, plötzlich rummst es hinter uns so laut, dass mir vor Schreck fast das Paddel aus den Händen fällt.
Dem Gewitter, welches sich unbemerkt in unserem Rücken angeschlichen hat, können wir nicht mehr ausweichen auch die kleinen Vogelsände, die sowieso jetzt geschützt sind, bieten keine Alternative.
Höchstens 5-10 Minuten schlagen gut 20 Blitze um uns herum, einige nicht weiter als 100m entfernt, ins Wasser ein. Was sind wir doch dagegen für kleine Lichter, ich bin beeindruckt. Wegen noch mangelnder Urteilsfähigkeit nimmt Lej es erstaunlich gelassen und bezeichnet das Ganze als toll und schön, ist auch nicht ganz falsch, wenn man sich nur auf die Optik beschränkt.
So schnell wie der Spuk gekommen ist, ist er auch wieder vorbei. Mich drängt es jetzt weiter, vom Süden Langelands her zieht sich der Himmel schon wieder dunkel zu.
Auf Höhe von Strynoe Kalv, wir haben gerade das Marstalfahrwasser gequert, werfe ich zum Vergnügen Lejs den AB an. Lej lässt seinen kleinen Holzkatamaran am Band mit laufen, setzt mich und Potjemkin damit reichlich unter Wasser und freut sich ein Loch in den Bauch. Ich muss dabei sehr auf die Steine achten. Um die Südecke von Strynoe sind wir schnell herum und erreichen den Hafen. Ich paddle gleich zum Slip, schnalle den Zölzer im Wasser drunter und mit Hilfe von 2 netten Fischern steht der Canadier schnell auf dem Trockenen.
Wir erkunden den hübschen kleinen Hafen, viel hat sich über die Jahre nicht verändert. Neben der Fähre, die die Verbindung mit dem Festland über Rudköbing auf Langeland aufrecht erhält, liegen einige moderne Gastyachten neben den traditionellen Seglern und Fischerbooten der Einheimischen und einer Reihe historischer Smakke und Aalborgjollen in bestem Zustand, Letztere gehören zum auf der Insel angesiedelten Smakkemuseum mit dazu gehörender traditioneller Holzbootswerft.
Am Hafenende steht ein neues Sanitärgebäude, klein aber fein.
Auf dem Wasser fällt uns ein Seekajak mit Angler an Bord auf, der Paddler entpuppt sich angelegt als Landsmann aus dem Kreis Plön, der kurz zum Hornhecht blinkern draußen war. Er ist das Wochenende mit dem Fahrzeug auf die Insel gekommen, da er in der Werft seine hier erstandene, wunderschöne alte Smakkejolle unter fachlicher Anleitung restauriert.
Dirk nimt uns mit zum Werftgelände, zeigt uns den neuen, im Stil einer Jurte erbauten Shelter aus Holz. Hier mieten wir uns für geringes Entgelt ein, Küchenbenutzung, Duschen etc. incl. und werden mindestens einen Tag bleiben.
Fertig eingerichtet mache ich mit Lej noch einen Abendspaziergang zum Hafen als gerade dort angekommen uns eine Unwetterwalze erreicht. Wir helfen den Yachties ihr auf dem Kai errichtetes Abendessen zu retten. Es droht durch den plötzlichen Wind davongetragen zu werden.
Lej schläft schon während ich mich noch bis spät in die Nacht am Lagerfeuer mit Dirk unterhalte und uns dann endlich auch die Augen zu fallen.
Moin,
Sonntag, zeitig aufgestanden, auf dem Gelände findet die Feier des jährlichen Inseltags statt. Ein Festzelt ist aufgebaut, die Musik bereits eingetroffen, für die Kinder werden Spiele veranstaltet.
Lej ist überwiegend verschwunden, ich packe die Dinge zusammen, die für eine Flusswanderung oder das Biwak Sinn machen aber nicht für diese Tour. Säge, Messer und Trangia reichen für uns völlig.
Dirk ist so nett und nimmt morgen auf dem Weg nach Hause den Beutel mit Muurika, Kelly Kettle, Axt etc. mit und lädt es bei meiner Frau ab. Danke noch mal dafür.
Dirk ist hier fast zu Hause, d.h. er kennt sich mit den meisten Dingen der Werft und des Museums gut aus , seine Führung ist sehr interessant auch wenn ich ein paar Vorkenntnisse mit bringe.
Smakkejollen stammen von den Wikingerschiffen ab, haben eher wenig Tiefgang, viel Volumen und überwiegend ein Sprietsegel. Hier in den Süddänischen Gewässern war es Der Arbeitsschiffstyp als Fischerboot, Inseltaxi, um Fracht und Vieh zu transportieren und auch für den Pastor das Boot um die kirchlichen Notwendigkeiten auf den über viele Inseln verteilten Höfen zu erledigen wie Taufen, Predigten, Beerdigungen, Hochzeiten etc. .
Die letzte im Dienst tätige Smakkejolle des Pastors steht heute außer Diensten als Schmuckstück im Museum(Foto).
Lej spielt draußen Fußball mit den anderen Kindern.
Meine Guthabenkarten fürs Handy sind aufgebraucht, meine Frau kann ich auch vom Telefon des Museums nicht erreichen, da fällt mir ein, dass sie mit Lej´s Schwester in Düsseldorf zu den Deutschen Meisterschaften unterwegs ist, Glück gehabt aber morgen muss mal wieder Kontakt her.
Die Inselfeier verteilt sich über die ganze Anlage, ich philosophiere abends noch lange in den Räumen des Museums u.a. mit einem netten Dänischen Russisch+Literatur Studenten über Holzboote, der eigentlich vom Alter her diesen Lebensabschnitt schon hinter sich haben könnte und scheinbar nur zum Spaß studiert, denn an Geld mangelt es ihm offensichtlich nicht. Eine fröhliche Feier mit netten Menschen.
Lej schläft schon, irgendwann finde ich den Schlafsack auch.
#35 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Montag, spät aufgestanden, es hat schon wieder geregnet, das die Nacht gemütlich war kann ich auch nicht sagen. Dirk hat sein Boot verpackt und fährt nach Hause. Mails an Jörg scheinen auch nicht durch zu gehen. Kontakt nach Kiel funktioniert immer noch nicht, das Kartengerät im Museum akzeptiert keine meiner Karten. Ich bezahle erst mal die Zwischenabrechnung in bar, 8Euro bleiben uns.
Lej ist wieder verschwunden, vermutlich ist er bei dem Ehepaar aus Koblenz, die mit ihrer Motoryacht hier unterwegs sind und seit gestern im Hafen liegen, ein Stück Mamaersatz, heiße Milch und Naschkram kommen noch dazu.
Das Wetter ist grauselig nasskalt, wir müssen mit der Fähre nach Rudköbing/Langeland um einen Geldautomaten auf zu treiben und einen Handyladen zu finden damit meine Frau nicht doch noch eine Suchmeldung startet.
Für Lej ist die Fahrt mit der Fähre eine schöne Abwechslung, er freut sich schon auf Pommes und Eis. Mit mehr Menschen an Bord als gedacht, verlassen wir die Insel.
In Rudköbing angekommen erkundigen wir uns erst mal nach dem Geldautomaten, 15 Minuten später haben wir das hübsche Stadtzentrum fast durchquert und halten Bargeld in den Händen, aufatmen. Einen Expert-Fachhändler finden wir auch, hat leider schon geschlossen.
Okay, morgen ist auch noch ein Tag und uns spukt sowieso schon eine Inselüberquerung per Bootswagen im Kopf rum, sind nur 11km über die alte Straße von Rudköbing nach Spodsbjerg und es spart 2-3 Tage Weg um die Insel herum ein. In Russland haben Lej und ich schon mehr km mit dem Bootswagen zurückgelegt. Wir rollen morgen einfach auf unserem Weg duch Rudköbing beim Expert-laden vorbei und gut ist`s.
Noch eine dreiviertel Stunde bis die letzte Fähre geht, runter zum Hafen, Eis und Pommes essen, einen großen traditionellen Zweimaster in der Werft bestaunt und schon sind wir wieder auf Strynoe.
Goulasch mit Nudeln warm gemacht und um 23Uhr liegen wir im Bett, es regnet und es ist kalt.
#36 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
hier ist am Heiligen Abend ganz schön Betrieb mit Essen, Kirchgang, Klavierspiel, Kindern und Enkelkindern aber wem erzähle ich das, geht Euch vielleicht ähnlich. Bin jetzt ganz froh mich von dem Troubel etwas zurück ziehen zu können. Die Family hat sich zu unserem Lieblingsfilm, Drachenzähmen leicht gemacht, um den Fernseher versammelt und ich entspanne mich etwas beim Schreiben.
Dienstag, wir werden in unserer Jurte lautstark von einer Schulklasse geweckt, das Smakkecenter wird nämlich nicht nur von Besuchern wie uns zum Übernachten genutzt sondern auch Schulklassen können sich hier für einen oder mehrere Tage einmieten und ihnen wird das hiesige Ökosystem und das Segeln in der Praxis vermittelt. Abenteuer gibts dabei gratis drauf zu. Für uns war es hier ein besonders schönes Erlebnis was wir gerne weiterempfehlen möchten.
Um 14Uhr sind wir auf dem Wasser, mit gerade so ausreichendem Wind werden wir gegen 15Uhr von den Koblenzern bereits am Slip erwartet. Sie sind so nett und helfen uns den Canadier mit vereinten Kräften den algenbewachsenen rutschigen Slip hinauf zu ziehen. Allein fast unmöglich, hier noch mal Danke dafür.
Nach dem Verabschieden machen wir uns auf in Richtung Expert-Fachgeschäft in der City. Während Lej vor der Tür beim Canadier bleibt, bekomme ich eine Dänische Handykarte, mit der ich selbst nur in Dänemark telefonieren kann, ich aber von Deutschland aus jederzeit zu günstigen Konditionen an fast jedem Ort in Dänemark erreichbar bin, für 10 Euro im Jahr. Die Beratung war hervorragend, selbst ich als technischer Tiefflieger habe alles verstanden.
Bald haben wir die Stadt hinter uns gelassen und mühen uns Hügel um Hügel vorwärts. Lej´s körperlicher Einsatz ist trotz seiner 6J. deutlich spürbar. Ein am Ortsausgang von Rudköbing wohnendes Ehepaar bietet uns an, den Canadier mit uns per Auto nach Spodsbjerg zu bringen, die Dänen sind überaus Hilfsbereit und Gastfreundschaftlich.
Vorbei an schönen Dänischen Höfen und Kirchen ist es eine lohnende Portage auf Rädern. Neben vielen kleinen Pausen am Ende der Anhöhen, sammeln wir auf halber Strecke eine gute Stunde neue Kraft.
Sonst meistens recht kühl, scheint heute selbstverständlich die Sonne. Gegen abend wird es endlich etwas frischer, um 21 Uhr 30 sind wir in Spodsbjerg und wundern uns, da es die ganze Zeit nur eben war oder bergauf ging, so müßte es doch eigentlich irgendwann auch wieder berab gehen, tut es aber nicht. Der Schluß daraus kann also nur sein, dass der Meeresspiegel auf der Ostseite Langelands etliche Meter höher liegt als auf der Westseite der Insel.
Beim Hafenbüro der erste Blick auf das Wetter, keine so tolle Vorhersage. In den frühen Morgenstunden soll der Wind auf Ost drehen und käme uns dann mit 3-4Bf direkt von Vorne. Während wir einen Traditionssegler reinkommen und die Stena-Line auf dem Weg von Kiel nach Göteborg am Horizont vorbei ziehen sehen, steht der Entschluß schnell fest, Nachtfahrt.
Den Canadier ins Wasser, alles durch gesehen, Lej bekommt drei Lagen Wäsche unterm Trocki angezogen, Positionsbeleuchtung auf dem Großmast angebracht, AB gecheckt, Rotlicht an der Kopflampe kontrolliert, Kartenkompass um den Hals gehängt, Atlas zurecht gelegt, gut gegessen, Wasserkanister gefüllt, ein paar fragende und zweifelnde Yachties beruhigt und raus aus dem Hafen über spiegelglatte See Richtung Nordlolland.
Je mehr Distanz zwischen dem Canadier und dem Festland ist, je ruhiger ist es , es wird langsam Dunkler, Fremdlicht-und Geräusche werden weniger, Wohlfühlatmosphäre.
Wir folgen nicht der Route der Fährlinie nach Tars sondern halten auf einen sehr kleinen Hafen nördlich von Schloß Frederiksdal auf Lolland zu. Das Hauptfahrwasser für die Großschiffahrt liegt am Beginn des letzten Drittels der Strecke von ca.?km zur anderen Seite des Langelandbelts.
Irgenwann ist es völlig Dunkel, Lej schläft, die ersten Lichter von der anderen Seite sind etwas deutlicher zu erkennen, wir nähern uns dem Fahrwasser, Tonnen kann ich keine ausmachen.
Von links sehe ich versetzt erst Blinklichter, darauf folgend weitere noch undefinierbare Lichtquellen eines größeren Verbandes zügig näher kommen. Da ich dicht am Fahrwasser bin, mache ich die Beleuchtung aus, in Sorge die durchlaufenden Schiffe unnötig mit meinem Licht zu beunruhigen.
Vorher noch zu queren ist mir zu unsicher, da die Geschwindugkeit im Dunkeln ohne festen Fixpunkt nicht gut ein zu schätzen ist. AB noch aus und abwarten bis der militärische Verband durch ist. Es muss ein militärischer Konvoi sein, denn Blinklichter führen in der Seefahrt nur aufgetaucht laufende U-Boote.
Nachdem die U-Boote durch sind, der nächste sehr große ausladende hohe Dampfer, vermutlich ein Hubschrauberträger oder etwas ähnlich großes, auch keine besonders große Welle macht, ist der folgende viel kleiner wirkende Dampfer mit einem erkennbaren Licht zu vernachlässigen. Ich paddle näher heran, bis auf dem letzten Pott deutlich zwei weiße Lichter zu erkennen sind, er also doch nicht so klein ist.
Richtig wach werde ich aber erst als es eigentlich schon zu spät dafür ist. Das Schiff ist ein kleiner, dicker, voll geladener Tanker mit ganz gut Fahrt drauf. Als er passiert hat wird es mit einem Schlag stockkdunkel. Die Lichter der gegenüberliegenden Küste sind wie ausgeknipst verschwunden.
Jetzt nur den richtigen Winkel erwischen, wir sind viel zu dicht dran, Volltrottel sage ich zu mir selbst als die dunkle Wand im Licht meiner schnell in Betrieb genommenen Kopflampe da ist.
Insgesamt geht es dreimal steil bergauf, was jedes mal harmlos zu dem dreimaligen bergab ist. Doch das Bergab bewältigt das Volumen der Enden des Canadiers ganz souverän auch wenn ich jedes mal das Gefühl habe, dass ich den Canadier bis zur halben Länge in jedes Wellental niete.
So schnell wie der Spuk gekommen ist, ist er auch schon wieder verschwunden, noch ein paar kleine Rückläufer von der anderen Seite der Heckwelle, das wars auch schon.
Mein Adrenalinspiegel sinkt wohltuend. Mehr als ein frisches Bad wäre es aber auch nicht geworden, nur wie Lej mit dem Schock des Weckens durch ein Vollbad zurecht gekommen wäre, das will ich jetzt gar nicht wissen.
Hatte ergebnislos versucht ihn schon bei den U-Booten zu wecken, weil ich ihm das versprochen habe falls wir auf unserer Tour irgendwann welche sehen sollten. Lej kennt sie aus Kiel, hat aber noch keine so richtig auf dem Meer in Fahrt gesehen.
Den AB bekomme ich im Dunkeln nicht in Gang also paddeln obwohl etwas Wind auf kommt, reicht er nicht wirklich. Habe mich an der wieder vorhandenen Küstenbeleuchtung neu orientiert, kontrolliere kurz mit dem Kartenkompass, eigentlich sind wir auf dem richtigen Weg. Die Südströmung macht sich stärker bemerkbar, noch mehr vorhalten.
Wir haben das Ufer von Lolland erreicht, ein dicker Fisch zieht eine Heckwelle ins tiefere Wasser, einige Vögel flattern lärmend im Licht meiner Kopflampe davon. Auch wenn es sicher nur ein Zufall ist, nach hundert Paddelschlägen entlang des Ufers kann ich die Felsklötze unseres Hafens im Lampenlicht erkennen. Cool, würde Lej jetzt sagen, er schläft leider felsenfest, ganz sicher wird er sich morgen früh ärgern.
Kanu an den Strand gezogen, zum Ufer geleuchtet springt etwas Größeres als ein Reh im Dunkel davon. Egal jetzt, es beginnt zu regnen. Schnell eine ebene Fläche etwas höher gesucht, Zelt aufgebaut, Lej aus Rettungsweste und Trocki gepult, trotz Latexkragen kein erwachen. Ich vertrete mir im Regen noch etwas die Beine, verdrücke einen Liter Milch, eine Dose Makrelenfilet und bin im Zelt verschwunden.
Mein letzter Gedanke, meine Frau kennt meine neue Telefonnummer noch nicht. Wieviel Tage haben wir uns nicht gemeldet????
#37 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Mittwoch, es ist kein Regen mehr zu hören, statt dessen vernehme ich eine Frauenstimme außerhalb vom Zelt.
Es ist eine Malerin und wenn ich sie richtig verstanden habe, steht unser Zelt mitten in ihrem geplanten Motiv. Auf meine Frage zu einer Telefoniermöglichkeit hin, schlägt sie uns vor, ein Stück den Feldweg runter zum Schloß zu gehen und dort wäre das dann unproblematisch möglich. Sie entscheidet sich für ein anderes Motiv und sagt, dass wir das Zelt ruhig da stehen lassen dürfen.
Während wir frühstücken entsteht plötzlich ein lautstarkes Gezeter unten am Wasser. Der Ursache sofort nachgegangen können wir nur noch eine von anderen Möwen attackierte Silbermöwe mit einem Eiderküken im Schnabel davon fliegen sehen. Das Entenmutterleben kann hart sein, verschreckt, eng zusammen gedrängt schwimmen die Enten weiter raus aufs offene Wasser.
Nachdem sich die Szenerie wieder beruhigt hat, machen wir uns auf den Weg zum Schloß Frederiksdal.
Ich klopfe an, die Tür steht offen, auch auf mein Rufen hin erscheint niemand. Irgendwie komme ich mir wie ein Einbrecher vor, wir queren das weitläufige Hofgelände, auf einem Ascheplatz werden Pferde trainiert, ein Stück weiter stehen wir dann vor einem riesigen Kuhstall.
Wir klopfen an, öffnen die Tür und stehen in einem Edelstahltanklager, alles peinlich sauber. Linker Hand rattert eine moderne Flaschenabfüllanlage, Menschen verpacken verkorkte Weinflaschen behutsam in Kisten. Ich spreche einen jungen Mann auf Englisch an, der reicht mich gleich an den Mann an der Abfüllanlage weiter.
Er ist Winzer von der Mosel, mit dem Gutsherrn befreundet und kommt jedes Jahr mit seiner eigenen Abfüllanlage hier nach Dänemark um die Jahresproduktion an Kirschwein, der hier produziert wird, ab zu füllen. Der Kirschwein ist in aller Welt bekannt und wird bis China exportiert.
Der nette Winzer setzt für mich, nachdem ein Kontaktversuch mit seinem Handy scheitert, eine Mail an meine Frau mit unserer neuen Handynummer ab, gerettet. Ab jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
Wir stiefeln durch die Felder zurück zum Zelt, neben vielen Fasanen, Hasen und Rehen zu beiden seiten des Weges , findet Lej unterwegs eine Fasanenfeder, einen versteinerten Seeigel und ein altes Hufeisen. Ein glücklicher Tag, trotz Migräne und ordentlichen Schultergelenksproblemen, Novalgin hilft.
Den Rest des regnerisch und überwiegend diesigen Tages verbringen wir mit kilometerlangen Strandexkursionen, finden vertrocknete Winterleichen, Muscheln und Steine. Wenn wir hier von Korsnakke aus übers Wasser blicken, sehen wir jetzt nicht mehr die Südküste von Fünen, es ist der Süden von Seeland.
Mit einem kleinen Lagerfeuer in Lej`s Hobo und ein paar Marshmellows, findet der Tag nach dem Vorlesen ein frühes Ende.
#38 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Donnerstag, mit den letzten Eiern, dem letzten Schinken und der letzten Packung Milch aus dem letzten 1oL Pack umgewandelt in Kakao, machen wir zur Freude Lej´S ein Langzeitschlemmerfrühstück, noch etwas verfeinert mit Nutella, Honig, Marmelade, Käse und einer Dose filetierter Ölsardinen aus portugiesischer Produktion.
Wer lange und genüsslich frühstückt muss dann auch damit leben, dass ein kleiner Wolkenbruch die Planung über den Haufen wirft. Alles bereits gepackt und verstaut bis auf Küchentonne und Zelt, letzteres ist jetzt pitschnass.
Egal, es wird schon wieder trocken, nass packen wir es möglichst nicht ein, also Muschelsuche.
Am späten Nachmittag sind wir mit fast nur Paddelunterstützung unterwegs, fragen einen Einheimischen, der in einem Entenjagdboot vom Strand zu seinem Fischerkahn staakt nach dem Wetter, passieren linker Hand eine Vogelinsel, rechter Hand eine Windmühlenanlage.
Wir inspizieren einen am Weg liegenden Hafen, alles verlassen außer, dass wir unerwartet einer Dänin, die wie die Venus aus dem Wasser steigt, in die Quere kommen.
Wir segeln bei moderatem Wind weiter, erleben einen schönen Sonnenuntergang, der einer kleinen Offshorewindanlage das farbliche "Gewisse Etwas" verleiht.
Wir umsegeln Ragö, suchen auf Skalö und Fejö zwischen 2-3tausend Schwänen hindurch vergeblich einen uns passenden Übernachtungsplatz, die Leuchtfeuer sind bei mittlerweile mehr Wind und Welle schwierig zu zu ordnen und halten letztendlich auf Kragnaes zu, da uns Femö im Stockdunkeln an zu steuern zu gewagt ist.
3 mal bleiben wir mit der Steueranlage in nicht deutlich gekennzeichneten Stellnetzen hängen und beschließen kurz vor Mitternacht, den Yachthafen in Kragneas an zu laufen.
Wir entwickeln selbst schon einen gewissen Geruch und auch unsere Bekleidung könnte eine Waschmaschine vertragen, somit ist es eine gute Entscheidung sich in den dekadenten Luxus eines modernen Yachthafens zu begeben.
Segelyacht vertäuen, Lej auf dem Steg weiter schlafen lassen, Zelt aufbauen und das wars dann, mal ohne Gute Nacht Geschichte.
#39 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Freitag,nach kalter Nacht bin ich in der Morgenwärme wieder eingeschlafen als ich durch Lej`s Weckruf richtig wach bin, ist er schon wieder über alle Berge. Im Zelteingang grinst mir ein leeres Nutellaglas mit unserem Kaffelöffel drin entgegen, diese Proviantratten.
Erst mal offiziell einklarieren, dann den Junior suchen. Ich finde ihn über Kopf vom Steg hängend nach irgend welchen Viechern mit dem Kescher spekulieren, ein genervtes "ich komm gleich" bekomme ich als Antwort und als er bemerkt, dass ich immer noch da bin "geh weg, du verscheuchst unser Abendessen".
Nützt ihm nichts, ich habe schon Seife, Handtuch, Bürste und frische Wäsche unterm Arm. Lej findet die ganze Prozedur überflüssig und uncool, das warme Wasser stimmt ihn dann doch etwas versöhnlicher.
Als nächstes gehts zum Wäsche waschen, dann wird um die Ecke eingekauft, Kartoffeln, Eis, Nutella und ein paar andere Kleinigkeiten, ach ja und Eier.
Über eine freie Internetverbindung erreichen wir Jörg(Moose), bekommen keine günstige Prognose von ihm und bleiben für heute, denn hier ist der Wetterbericht auch nicht besser, schade sonst würden wir den günstigeren davon wählen. Eigentlich sind 5-7 achterlich meist händelbar, nur hier liegen einfach zu viele Klamotten nur 1cm unter Wasser und mit richtig Tempo hört sich das sicher unangenehm an.
Ich schaffe es sogar ins Forum und lese in Jörgs Thread, dass unsere Tour auch für ein paar im Forum interessant zu sein scheint, ganz ehrlich, die Rubrik Tourenberichte ist für mich die schönste Rubrik. Es ist für Lej und mich immer eine große Freude wenn z.Bsp. Michael(Spartaner), die Österreicher, der Australier, die Russen oder die vielen Anderen von einem neuen Abenteuer berichten. Mir persönlich ist es auch völlig wurscht ob mit Kajak, Ruderboot oder Canadier ob auf Wildwasser, Plattwasser oder an der Küste, es ist für uns immer schön dran teil haben zu dürfen.
Wir haben Telefonkontakt mit zu Hause, ich bin wieder Opa geworden.
Abends gibt es ein Festessen mit 2kg Kartoffeln, Souce Hollandaise, Würstchen und mit Lej`s Jagdbeute, frisch gefangenen Garnelen und Fliederbeersaft. Den Stichlingen und Seenadeln haben wir die Freiheit wiedergegeben.
Nenenan läuft die Fußballweltmeisterschaft, wir gewinnen 2zu1 gegen Holland. Irgendwie ist das nicht wirklich wichtig, dass Lej zum Abendessen beigetragen hat, darauf bin ich stolz wie Oskar.
Draußen grummelt ein ordentliches Gewitter, gut dass wir geblieben sind.
Nach dem dritten Satz der Gute Nacht Geschichte träumt Lej schon tief und fest.
#40 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Samstag, früh aufgestanden ist Lej schon weg zum Barsche angeln im Hafenbecken, ich stöbere im Forum und werde dann von der Ankunft eines Dänischen Kajakers unterbrochen der von Kopenhagen auf dem Weg nach Sonderburg ist und neben uns am Steg angelegt hat. Wir reden über das Wetter und er erzählt von der Fahrt entlang Stevns Klint, das sind ca. 15km Steilküste oberhalb der Faxebucht ohne Anlandemöglichkeit.
Ich kenne das wunderschöne Stück Küste und kann sein Erlebnis, gerade bei den zur Zeit wiederholt zwischen West, Süd oder Ost sprunghaft hin und her wechselnden Winden gut nachempfinden, eine echte Nervenleistung denn da gibts bei unangekündigtem Wetterwechsel eigentlich keine Alternative außer das Paddeln einigermaßen im Griff zu haben.
Für mich einer der riskantesten Küstenabschnitte, selbst die deutsche Nordseeschlickrutscherküste bietet meiner Meinung nach nichts vergleichbar Anspruchvolles.
14Uhr 30 sind wir auf dem Wasser. Ungerefft geht es dicht unter Land bei schräg ablandigem Wind wieder auf Tour. Lej gibt sich der Meuterei und Revolution hin, da wir in sehr sehr flachen Bereichen unterwegs sein müssen, draußen geht wegen weithin leuchtender Brecher nichts, er hat Angelverbot und ist deswegen ziemlich stinkig.
nur mit Mühe kann ich ihn zu etwas Mitarbeit in Form von Gewichtsverlagerung bewegen.
Wir sind fast querab von Lindholm als linker Hand eine größere Yacht ihre Seenotmittel in Form von Leuchtraketen testet. Für uns keine Chance da helfend ein zu greifen, wir haben gerade leichte Grundberührung hinter uns obwohl es hier eigentlich 0,9m tief sein soll, hoffentlich bleibt es dabei. Der Canadier steigt immer mal wieder über seine Bugwelle und legt Surfsprints von über 20km/h in den 8er Böen hin. Einerseits ein unbeschreiblich spannend schönes Gefühl andererseits nervt mich der eine oder andere klar erkennbare Seestern am Grund.
An Lindholm vorbei kann ich ein zur Hilfe geeiltes Motorboot bei der Yacht erkennen, scheinbar alles okay. Der Wind läßt etwas nach trotzdem reicht es mir schon für heute denn in der Ferne drängt wieder mal ein schwarzer Wolkenvorhang heran.
Lej darf die letzten Meter noch Schleppangeln und bekommt unmittelbar nach dem Auswerfen einen respektablen Biss. Ich versuche so gut es geht durch öffnen des Segels Fahrt raus zu nehmen, Lej kurbelt wie ein Wilder um Kontakt zum Fisch zu halten. 15meter vom Kanu schießt die Forelle von 2-3kg wie ein Blue Marlin weit aus dem Wasser, ich sehe Lej´s große Augen und wie ihm der Mund offen steht, der Kleine kämpft weiter, 2 Meter vom Süllrand entfernt gewinnt der Fisch, er hat den zu kleinen Drilling gerade gebogen.
Lej´s Enttäuschung ist groß, er wird damit klar kommen, vergessen wird er das Erlebnis vermutlich nie. Für mich ist es eine knappe Sternstunde, länger sind wir mal wieder nicht auf dem Wasser.
Direkt hinter Skivterne Skog wollen wir Pause machen, bleiben dann aber an dem schönen Platz Nr.294, der Shelter ist bei dem zu erwartenden Unwetter zu verführerisch, Brennholz bei den kühlen Temperaturen zur Genüge vorhanden und die Aussicht einfach nur traumhaft.
Ich finde am Ufer ein abgebrochenes Stück Dachlatte, ramme es durch das momentane Niedrigwasser mit etwas Abstand zum Ufer in den Boden und befestige den Canadier daran. Lej und die Ausrüstung bringe ich an Land, melde mich telefonisch beim Zuständigen und wir richten uns ein.
Alles ist irgendwie Nass, Lej hat seinen Frust mit verscheuchen der in der näheren Umgebung rumfaulenzenden Kormorane, Brandenten, Schwäne und Säger abgebaut und Feuer gemacht.
Plötzlich ruft Lej eindringlich nach mir, ich kann gerade noch meine schon auf gut 10cm dicke angeschwollenen Teva´s aus der Nähe des Feuers entfernen, springe hinein um die Sole auf ihr Normalmaß zurück zu drücken. meine Fußsohlen halten das nicht aus, müssen sie aber, es sind meine einzigen Schuhe. In einem dem Breakdance ähnlichen Tanzstil kühle ich die Schuhsohlen gerade noch rechtzeitig auf ihr Normalmaß zurück.
Lej liegt auf dem Bretterboden des Shelters, kann sich vor Lachen nicht mehr halten, trommelt mit den Fäusten auf den Boden und macht sich zu allem Überfluss auch noch dabei in die Hose.
Auf einem langen Spaziergang durch die Feldmark teste ich die Funktionstüchtigkeit der Schuhe, streite mich mit Lej über eine Muschel in einem 40kg Feuersteinblock, den ich nicht bereit bin mit zu nehmen auch nicht nachdem Lej mit einem anderen Stein versucht hat den Block passend zu schlagen. Was hat das Kind für einen Dickschädel.
Das Abendessen wird ausnahmsweise üppig zelebriert, zum Abschluß werden die letzten Marshmellows gegrillt. Wir verpassen das letzte Klingeln des Handy´s, dann geht es in die Betten, unsere luftlosen Isomatten stören uns nicht mehr. Vor ca. 10J. im Reiseshop in Kiel gekauft, haben sie bisher ihren Dienst zur vollsten Zufriedenheit getan und irgendwann geht alles mal hinüber. Sie haben sich bezahlt gemacht.
Mit mir selber philosophiere ich am Lagerfeuer noch etwas über das multifunktionellste Kanu aller Kanuarten, kommandiere danach Lej aus einer viel zu hohen Kiefer auf den Boden zurück, lese ihm die Geschichte mit den Rattenrittern vor, die selbstverständlich am Ende die Prinzessinnen heiraten.
Der gleichmäßige Flügelschlag über uns dahin ziehender Schwäne ist unsere Kleine Nachtmusik.
Fotos kommen später.
http://kanutube.de/video/D%25C3%25A4nema...d4882c9e1bc067c
#41 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB

#43 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB

Life! So kann man das nicht erfinden. Toll!
LGW
#44 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Sonntag, die Nacht war schweinekalt, habe Lej gegen Morgen die Neoprenhaube übergezogen bin jede Stunde aufgestanden um Feuerholz nach zu legen. Als der Vorrat weg war bin ich im Dunkeln in Unterhosen mit einem Dachs beim Nachschub holen zusammen gestoßen, ich glaube der ist nur knapp am Herzinfarkt vorbei gekommen.
Als es zu dämmern begann, gab es hinter uns in der Wiesensenke fast eine Stunde Raureif und das anfang Juni. Irgendwann wieder eingeschlafen werden wir unvermutet von knatternden Motorrädern geweckt, eine lustige Gruppe aus Neumünster trifft zum jährlichen Meeting ein, die Rockergangs scheinen auch langsam älter zu werden.
Zeit zum Packen, der Nächste wartet auf den Shelterbezug. Der Wind hat sich in der Nacht auf Süd umgestellt und scheint weiter nach Ost zu drehen. Wir düsen mit guter Fahrt nach Bandholm in den Hafen, Lej muss mal, währenddessen lerne ich ein paar lustige ältere Herren zwischen 70 und 80+ Jahren kennen. Sie bieten mir ein Bier an und präsentieren stolz ihren prachtvollen Partydampfer, mit dem sie grundsätzlich ohne Frauen die umliegenden Inseln unsicher machen. Ganz aus Eiche und kerngesund der Dampfer, versichern sie mir, ich glaube ihnen selbstverständlich.
Am Wind dicht unter Land bei gut 6Bf aber ohne große Welle segeln wir in den Saksköbingfjord, wutsch taucht neben mir der Fotoapparat ins Wasser, ein Reflex und ich habe ihn, das Wasser schießt unterm Neoprenbündchen bis unter die Achsel hoch, nicht viel aber so kalt und plötzlich, dass ich den Apparat fast wieder los lasse, ich werfe ihn zwischen die Ladung, gerettet, die Metallkette um meinen Hals war gebrochen. Nun ein kurzes Stück vor dem Wind bis zum Skovsand, von da über wenig Wasser sehr dicht unter Land weiter. Vorsichtiges, taktisches Planen und Segeln ist bei diesen Wetterverhältnissen das einzigt Machbare, Spaß ist was anderes.
Nach Rommes Nakke kürzen wir ab, geraten erst drei mal auf Grund und bekommen danach den Dampfer randvoll mit Wasser. Es steht bei ablandigem Wind mit 1km Entfernung zum Ufer eine über einen halben Meter hohe brechende Welle, das sind jetzt leicht 7BF oder mehr und der Wind nimmt weiter zu.
Nach links will ich mich gar nicht umdrehen, voraus dicke Steine, wir kriegen gerade so die Kurve ohne Wasser zu nehmen. Der Wind steht jetzt aus Südost, gut für uns, dass er mit dem Kurs mit dreht und wir wieder ablandig ohne größere Probleme weiter segeln können. Der Canadier steigt über seine Welle und wir surfen gut 4km in 10 Minuten, ganz vorsichtig dabei mit den Fingern an der Pinne, einfach irre.
Am Ende von Vestermark unterhalb der Vogelinsel angekommen gehen wir an Land, Pause, alles zittert, nicht nur Lej ist begeistert, das waren unbeschreibliche das Fliegen begünstigende Ausnahmeumstände.
Ein Mann kommt die Straße zum Wasser runter und fragt wo wir hin wollen, er sagt auch, dass er uns beobachtet hat und grinst dabei.
Ich sage Vordingborg, er sagt No Way und geht mit mir ein Stück den Hügel hoch,richtung Nordost über den Vogelsand hinweg kocht das Wasser. Sein Windmesser zeigt 8Bf, seine weitere Prognose bestätigt Jörg(Moose)am anderen Ende des Handy`s, Sturm und Regen aus östlichen Richtungen.
Hier ist es recht öde, Vordingborg scheidet für mindestens 2Tage aus, Guldborg ist die einzige Alternative um das Angekündigte Ungemach halbwegs komfortabel ab zu wettern.
Querab am Ende der Vogelinsel sitzen wir auf, keine kleine tiefere Rinne ist aus zu machen. Hier soll ein Meter Wasser sein, kilometerweit schauen die blasentangbewachsenen Steinköpfe aus dem Schlick.
Mein Aussteigen reicht gerade so, dass Lej im Canadier bleiben kann, ich nehme den Tampen über die Schulter und stiefele los. Mal Schlickboden, ein paar Steine, nachgebender Lehmsandboden und als Luxusausführung nach 2km endlich fester Sandgrund. Der entgegendrängende Wind hält mich aufrecht, rechter Hand fühlen sich gut 500 Schwäne gestört und starten in den Himmel um einen Km weiter Richtung Ufer wieder zu landen, sie haben dabei Probleme mit der Aerodynamik.
Nach knapp 3km habe ich tieferes Wasser erreicht, mit dem Wind jetzt direkt von vorne starte ich den Motor, Lej verkriecht sich vor dem quer durch die Luft peitschenden Regen, es ist Dunkel wie in der Nacht aber keine 15Uhr. Ich bin völlig im Eimer.
Mit langsamster Langsamfahrt klatschen wir in die Wellentäler, der Sturm zerstäubt das aufgeschaufelte Wasser vom Vorschiff, nach 2km haben wir es geschafft, noch 1km bei moderaten Bedingungen und wir sind im Yachthafen von Guldborg hinter der Klappbrücke auf Lollandseite.
Ich frage die hübsche Dänin von der Yacht Rimfaxe(eins von den 2Pferden Odin´s), wo hier ein Zeltplatz ist. Ein Moment, ich rufe meine Freundin an, die ist nett und hat Platz, antwortet sie mir.
200 Meter weiter legen wir vor dem im Floridastil erbauten wunderschönen Haus mit Blick über den Sund hinüber nach Falster an.
Wir bekommen von den sehr gastfreundschaftlichen Besitzern den Shelter im Garten mit Frühstücksplattform über dem Wasser und das private Badezimmer samt Schlüssel fürs Haus zugewiesen.
Später sitzen wir bis Mitternacht auf der Terasse und unterhalten uns ausgiebig über Dänische Malerei, besonders über den von mir so sehr bewunderten Maler Johannes Larssen aus Kehrteminde. Kaum einer hat die Farben des Wassers so naturgetreu eingefangen wie Er.
Paule und das Papaherz ist die Gute Nacht Gechichte.
#45 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
moin,
Montag, wir liegen im Schlafsack, die Köpfe nach vorne aus dem Shelter, beobachten Sturm und Schüttregen überm Guldborgsund von unserem komfortabel trockenen Logenplatz aus.
Regen und pralle Sonne wechseln im Viertelstundenrythmus.
Wir rüsten uns für den geplanten Erkundungsspaziergang.
Wir räumen auf, verschließen das Haus, da die Eigentümer unterwegs sind und machen uns auf die Socken. Erst rein nach Guldborg, über die alte genietete Stahlklappbrücke rüber nach Falster, den dortigen Hafenteil inspiziert und wieder zurück nach Lolland.
Unterhalb der Brücke betrachten wir mit Wehmut einen alten zerfallenden kleinen Holzsegler, tauschen mit ein paar Meerforellenanglern etwas Latein aus und entfernen uns von Guldborg entlang einer niedrigen Steilküste richtung Norden.
Es dauert keine 3Minuten bis Lej mir stolz seinen ersten prähistorischen Fund unter die Nase hält, ein kleiner versteinerter Klumpen mit mehreren sehr gut erhaltenen 1cm großen Herzmuscheln. Ein wunderschönes Exemplar und es muss selbstverständlich mit.
Eigentlich ist das Gefahrenpotenzial unserer Touren sehr berechenbar, viel geringer als es manchmal vielleicht den Anschein haben mag. Wenn wir doch mal versaufen sollten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auf Gründe von Überladung durch Lej`s Sammlerleidenschaft zurück zu führen ist.
Lej interessieren meine Einwände gar nicht, er hält mir gerade eine wunderschöne Koralle entgegen und ich selbst finde meinen bisher größten Seeigel überhaupt, Lej kassiert in ein und sagt nur" wegwerfen oder mitnehmen".
"Ja Lej, meine Taschen sind größer".
Innerlich schmunzelnd erinnert mich diese Sammelwut an frühere Tage als meine Mutter manchmal mit mir verzweifelte u.a. ist sie mal fast ausgeflippt, nachdem ich ihr per Frachtschiff von einer Mittelamerikareise zurückkommend, mehrere tiefgefrorene Haie vor der Haustür abgeladen habe. Der Eine davon maß mehr als 4m.
Wir klettern durch und über ins Wasser gestürzte alte Eichen weiter und ich bin froh, dass hier das getrocknete angeschwemmte Seegras weitere Fundstücke erst mal verhindert.
Lej will weiter, mit hochgekrempelten Hosenbeinen ist er mehr im Wasser als an Land unterwegs, fängt einige besonders schöne Exemplare an Seenadeln und ist kaum zu bewegen um zu kehren.
Irgendwann setze ich mich durch, wir finden eine Stelle wo das Steilufer unterbrochen ist und machen uns in Luftlinie auf den Heimweg durch schönen Mischwald. Dabei stoßen wir wieder auf Steingräber, erschrecken ein schlafendes Reh und finden einige brauchbare Pilze.
Wieder zurück klingelt das Handy. Meine Frau ist am Apparat, sie hat die Sommerferienplanung ändern müssen da Lej`s Schwester sich unerwartet einen DM-Titel in Düsseldorf erkämpft hat, sie muss am kommenden Wochenende noch mit der Gruppe in Berlin ran und direkt danach gehts ins Ferienhaus, nach Dänemark. Sie erwartet uns am kommenden Wochenende in Kiel.
Eigentlich haben Lej und ich noch ein paar Wochen und die Vorstellung im Hinterkopf, von irgendeinem Fährhafen in Schweden den Heimweg nach Kiel an zu treten.
Auf meine Frage hin, wie das funktionieren soll, so ohne passende Seekarten und in nur 5 Tagen bei nicht planbarem eher unbeständigem Wetter, gibt mir meine bessere Hälfte zu verstehen, dass ich die Seekarten doch sowieso überwiegend zu Hause vergesse und bisher auch immer heil zurück gekommen bin.
Da sie meistens recht hat und es während dieses Telefonats wieder aus Eimern schüttet, wende ich mich an Lej, er nickt und sagt "Okay, dafür paddeln wir dann aber nächstes Jahr in den Ferien zu Oma".
Ich liege die Nacht noch lange wach und verfolge in Gedanken die zurückliegenden spannenden Tage. Das was jetzt noch vor uns liegt ist überschaubar.
#46 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Dienstag, Heimatkurs den Guldborgsund hinab. Von Jahrzehnte zurückliegenden Touren kenne ich den Sund, er ist landschaftlich wunderschön eingerahmt, oft weitläufig, mal etwas schmaler, mit traumhaften Buchten, kleinen Inseln, geeignet für Robinsonaden.
Der Wind kommt jetzt mit 6-7 aus Nordwest, achterlich ist das ganz okay bis diese für mich neue Autobahnunterführung kommt und der Wind uns in dem Moment ein paar knackige Böen aus dem Nichts kommend präsentiert als wir hinter der Steinschüttung der Unterführung rum müssen, das gelingt nur mit ganz vollem Canadier.
Lej mosert weil ich ihn nicht vorgewarnt habe, er sein Kuscheltier nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte und auch sein Lolli spurlos zwischen unserer Ladung verschwunden ist.
Wir haben jetzt Landschutz, die Pumpe versieht immer noch klaglos ihren Dienst.
Papa spendiert großzügig einen neuen Lolli um der Meuterei keine weitere Nahrung zu geben. Kurz vor Nyköbing/Falster verpasse ich das rechtsseitge Mittelalterzentrum für angewandte Archäologie. Gegen den zwar langsam abnehmenden aber immer noch um 5blasenden Wind will ich mit AB zurück und fahre mir keine Hundert Meter weit gekommen an den Unterwasserkieseln den Propellersplint ab. Unter leicht streßigen Umständen erreichen wir das Ufer.
Das Mittelalterzentrum lohnt einen Besuch. Einige alte Segler liegen in einem der damaligen Zeit nachempfundenen Hafen, Ritterspiele mit Pferden werden veranstaltet und Vieles mehr. Lej und mich interessieren die in 3 verschiedenen Größen nachgebauten Schleudern, die bei wenig Schiffsverkehr in der Praxis von mehreren Personen hamsterradartig gespannt werden und dann die Betonmurmeln weit in den Sund hinaus schleudern.
Wir können uns das diesmal nur von draußen betrachten denn der Laden hat gerade geschlossen.
Um den Splint aus zu wechseln segeln wir in den Hafen von Nyborg und machen am Viking Yachtclub fest. Hier liegt eine ganze Armada von Folkebooten, ein sehr seegängiger hoch an den Wind gehender Flitzer, leider sind die meisten davon nicht mehr aus Holz sondern Plaste.
Mit meiner Reparatur, unterstützt vom Schweizer Messer, gerade fertig steht Lej, der nach dem Anlegen sofort verschwunden war, neben mir und erzählt aufgeregt von einem Piratenschiff, dass er schon fast gekauft hat und preist es mir in höchsten Tönen an.
Bei erster Betrachtung des begehrten Objekts bin ich total stolz auf meinen Sohn. Nach zweiter Betrachtung grüble ich über die bevorstehende Renovierungsarbeit und die Folgekosten nach. Nach dritter Betrachtung ist der 5,80x2x0,80 m lange Spitzgatter meines Alters aus Holz unser. In 6 Wochen wird er bezahlt und abgeholt, hoffentlich überstehen Lej und ich die heimatlichen Diskussionen.
Der Wind dreht abends etwas auf und der Viking Vorstand bietet uns zum schlafen den Clubraum an, hier noch mal Danke dafür.
#47 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB

Die Bilder des Wikingerzentrums wecken schöne Erinnerungen. Als wir vor einigen Jahren da waren war Betrieb und es wurden diese gigantischen Betonmurmeln hinaus ins Meer geschleudert. Vorbeipaddelnde Seekajakfahrer wirkten besorgt. Aus gutem Grund.
Axel
P A D D E L B L O G - 2. Sicherheitstreffen am 21./22.09.2013
There's more means to move a canoe than paddles
#48 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Mittwoch, wir bleiben erst mal liegen, draußen windet und regnet es mit 15-20m/sec wie fast üblich.
Hafentag und Zeit für ausgiebige Inspektion der Neuanschaffung.
Eigentlich wollen wir nachmittags gerne weiter doch eine fürsorgliche Dänin von einer Yacht in der Nachbarschaft bearbeitet mich, trotz mittlerweile strahlendem Sonnenschein, eindringlich wegen des abends zu erwartenden Sturmes mit bis um 30m/sec im Hafen zu bleiben.
Normalerweise ist Wind nicht so tragisch solange man bei schlechten Wetterlagen nicht ohne Landsicht unterwegs ist und hier sind wir auf einem Binnengewässer aber gegen Mutterinstinkte hat man selten Chancen. Da ich Lej ein Eis und Pommes versprochen habe lasse ich mich überreden zu bleiben.
Von einem netten Stadtbummel durch das schöne Nyborg zurückgekehrt, beschließen wir die Nacht auf dem Spitzgatter* zu verbringen. Da haben wir unseren Potjemkin längsseits in Griffweite. Die Tampen werden noch mal kontrolliert und dann genieße ich das Abendessen allein unter dem Vordach des Viking Clubhauses.
Lej hat sich bis zum Kojengang bei der Ersatzmama auf der schicken Yacht mit eigener hydraulische Gangway eingemietet und läßt sich mit Fernsehen, Essen, Naschies und weiteren dekadenten Annehmlichkeiten das Leben versüßen.
Nach der gute Nacht Geschichte machen wir noch einen Sturmrundgang um vom Steg aus endlich ein paar Windbilder
fest zu halten, vom Canadier aus ist das auch bei etwas weniger Wind in der Regel nicht so einfach.
Okay, noch eine Gute Nacht Geschichte aber dann schlafen wir mit dem monotonen Geklimper der Fallen an den umliegenden Yachten und dem das Schiff wiegenden Wellengang ein.
* Dänische Spitzgatter stammen in gerader Linie von den Rahseglern der Wikinger ab.
#49 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
warum heute schon wieder Mittwoch ist, muss wohl doch an beginnender Alterssenilität liegen. Anfangs war ein Tag zu wenig, jetzt ist einer zuviel. Ob es wichtig ist?, eigentlich nicht.
Mittwoch der Zweite,
Wir haben gut geschlafen, der Canadier liegt noch genau so wie am Abend neben uns und vom Windspuk ist nicht mehr viel übrig.
Nach dem Frühstück klönen wir noch mit einem Seekajaker vom Ruderklub, ja ihr habt richtig gehört, RUDERKLUB, die Dänen sind nämlich im Vergleich zu vielen von uns keine Dogmatiker und auch deutlich weniger borniert und auf Abgrenzung künstlich festgelegter Claims bedacht.
Da liegen im Ruderklub Seekajaks, Falter, Ruderboote und Canadier vertrauensvoll unter einem Dach und die Paddelruderer unterhalten sich sogar äußerst nett miteinander.
Ich hoffe ihr entschuldigt meine kleine Selbstkritik.
Mittags laufen wir bei schönstem Sonnenschein aus, unterqueren die Klappbrücke und sehen voraus nur kleineren Gegenverkehr da die Großschiffahrt wegen der später zu knappen Wassertiefe von ca. 2m nicht weiter kommt.
Bald ist die kleine Insel Flatö erreicht und wir entscheiden uns für den Weg rechts durch die Bredning. Erstens ist es einsamer, wilder und wegen der vielen Klamotten gibts hier kein Fahrwasser.
Nach kurzer Pause auf Flatö, das Schild Privat konnten wir erst sehen als wir abgefahren sind, geht es weiter. Der Wind briest auf 4-5 auf, ohne Welle kein Problem.
Es ist komisch mit dem Wind, er ist gar nicht böig, weht aber mal mit 3bf für 15 Minuten um zwischendurch fast ganz ein zu schlafen und dann 30 Minuten mit 5bf und dann wieder mit weniger daher zu kommen.
Kalvö lassen wir linker Hand liegen, Kejlsö rechter Hand mit Kurs auf Herring Nakke und dann bewegt sich der Bug des Canadiers bei 5Bf mit guter Fahrt in Richtung Himmel.
Ein krachend knirschendes Geräusch, ein behäbig heftiger Klatscher und alles innerhalb ein bis 3 Sekunden. Ich erwarte einen durch ein riesiges Leck emporschießenden Strahl Seewasser. Nichts passiert, aufatmen, zurückblickend sehe ich die knapp unter der Wasseroberfläche liegende Klamotte verschwinden. Jetzt weiß ich, dass die drei messingbeschlagenen Kielstreifen nicht nur für den besseren Geradeauslauf Sinn machen. Ab sofort lieben wir die vorher fast nutzlosen Dinger.
Lej nimmt den Ausguck auf dem Vorschiff ein und lotst uns vorbildlich durch den Steingarten auch durch über 40 verschiedene Stellnetze ohne einen Fehler.
Bei Örsodde begnet uns ein Falter Richtung Nyborg, sah nach einem braunen Klepper aus. Der Wind ist wieder mal fast weg als wir beim Flinthorn Rev den Guldborgsund verlassen und Westkurs nach Nysted einschlagen.
Ich werfe den AB an, Lej hat Hunger, eine versprochene Portion Pommes erwartet ihn. Nachdem er vor Hunger fast sterbend ein Relikt der Steinzeit übersehen hat und bei unserem kurzen Freiflug beinahe im Wasser gelandet ist, hat der Hunger schlagartig ein Ende und wir können bei wieder zunehmender Briese geräuschlos weiter segeln. Lej begnügt sich mit Salzstangen und Äpfeln.
Nach einer Weile stoßen wir auf den Tonnenstrich, selfmade by privat people, aus blauen Plastikkanistern mit geklauten Straßenpfählen incl. Reflektor, zusammengehalten mit Panzertape und es erfüllt seinen Zweck. Ich vermute mal, dass die Dänen wie wir auch sparen müssen und Nebenfahrwasser evtl. nicht mehr amtlich betonnt werden.
Kurz darauf treffen wir einen Motorkutter von der Schlei, das nette Ehepaar kennen wir schon von Unterwegs und laufen mit kurzem Abstand in die geschützte Bucht mit dem Schloss im Hintergrund und dem Hafen von Nysted ein. Ganz am Ende werden wir sehr nett vom Nysteder Ruderklub aufgenommen, selbstverständlich Ruderboote und die Paddler unter einem Dach.
Von draußen kommen ein paar Mannschaftsboote rein, packen die Boote und Ruder weg um kurz darauf im Kajak wieder aufs Wasser zu gehen, dass will ich bei uns zu Hause auch sehen.
Nachdem unser Zelt steht, bestaunen wir ein wunderschönes, nach einem norwegischen Riss selbstgebautes Seekajak, federleicht das Teil. Der Paddler ist mit Recht stolz auf sein Schmuckstück.
Lej drängelt mit Recht und wir bummeln durch das hübsche Hafenstädtchen. Er genießt seine Pommes, Eis, etc. tobt sich auf dem Spielplatz aus und das wars dann auch schon. Nein da war doch noch was, die Wettervorhersage für morgen= 7-8 BF.
#50 RE: Eine kleine Canadier-reise mit Segel, Paddel+AB
Moin,
Donnerstag, schönes Wetter denn die Ankündigung von gestern wurde heute morgen auf 3-4 aus Südost korrigiert. Segler die in den Hafen einlaufen sagen, gut 5 draußen, dabei würden sie nicht das schmale Fahrwasser zwischen dem Rödsand und dann durch den Windpark nach Fehmarn rüber nehmen wollen. Sie warten die Entwicklung ab, wir verschieben besser auch auf nachmittag.
Mit einem größeren Spaziergang überbrücken wir die Zeit, stehen bald vor dem Denkmal für die Besatzung eines Amerikanischen Bombers aus dem zweiten Weltkrieg, der nach dem Abschuss auf dem Rödsand zerschellt ist, ohne Überlebende. Die Dänen haben einen Propeller geborgen und in das Denkmal integriert, für die Angehörigen wenigstens ein fester Ort zum Gedenken.
Ob so ein Denkmal oder Mahnmal zum Denken anregt oder eine nachhaltige Mahnwirkung hat bezweifle ich sehr. Müßte es eigentlich, tut es aber nicht. Wir sind unbelehrbar.
Ich kann Lej´s Fragen gar nicht beantworten weil ich in diesem Moment nur ein Bild meines Freundes Andreas im Kopf habe und ein zweites als seinen Eltern bei der Beerdigung ihres einzigen Kindes die ordentlich zusammengefaltete Bundesfahne mit Helm und Lametta übergeben wird.
Ich weiß, ein Bundeswehrsoldat aus Afghanistan zurück, hier im Kindersarg beerdigt und ein Kriegsdenkmal von Gestern haben gar nichts mit Canoes zu tun und richtige Männer tragen sowas mit deutlich mehr Fassung.
Wir drehen um und gehen zum Spielplatz, später klappern wir den Rest des Hafens ab, bestaunen einen großen Colin Archer aus Ferrozement, fachsimpeln mit ein paar Seglern, futtern noch mal Pommes auf der Hafenkante und beobachten einen zutraulichen Kormoran beim Fischfang.
Der verbogene Propeller hält mich gefangen, ich will den Kopf wieder frei haben, zum Canoe und weg hier.
Der Wind kommt mit 4-5 passend aus Nordost. Karte habe ich keine, das Tablet hat keinen Empfang also muss ein Blick zwischendurch auf den topographischen Atlas reichen. Wir tasten uns bei sehr flotter Fahrt durch ein Wirrwar von Klamotten. Lej drückt immer wieder das durch Grundkontakt hochgeschlagene Schwert mit vollem Körpereinsatz zurück.
In Stubberup gehen wir kurz in den Hafen, informieren uns bei Einheimischen über den weiteren Verlauf. Bei dem Wind ist das Wasser sehr unruhig und der immer sichtbare Grund schwer zu erkennen. Ich notiere die Infos bis Sandager genau, eine Irrgartentour mit sehr wenig Wasser über und durch reichlich skandinavische Kuchenstreusel.
Weiter geht`s, entlang einer malerisch schönen Küste, immer wieder von Wald bis ans Wasser unterbrochen, fliegen wir nur so dahin. Wir sehen einen Wanderfalken bei der Jagd direkt am Ufer, unverkennbare Säbelschnäbler kreuzen über uns den Kurs.
Die kleine Rinne zwischen Lindholm und dem Ufer treffen wir exakt, lej versucht rechts und links die Steine zu greifen, ohne ihn auf dem Vordeck wäre das Segeln hier nicht machbar.
Wären wir nur den kleinen Hafen im Wald von Hovaengegard angelaufen dann würde ich jetzt nicht ins Schwitzen kommen. Wir können Sandager gut erkennen, ich verfranse mich aber mehrmals in zu flachen Stellen, bis wir endlich im Hafen sind ist es eine elendige Rumsucherei, das Segel ist längst unten, mit Paddel geht´s.
Ich steige ins gerade mal 50cm tiefe Hafenbecken um den Dampfer an zu bändseln als eine ältere Dame kommt, sich bückt und Lej mit Schwung aufs Trockene befördert. Zu mir gewand sagt sie:" Jetzt wird erst mal gegessen, wir haben euch schon länger beobachtet und noch ein paar Kartoffeln gekocht, los hinsetzen".
Die nette resolute Dänin lässt keinen Einwand zu und wir werden an einen Tisch gesetzt und von ihr und ihrer Schwiegertochter mit paniertem Brataal, Petersiliensoße und Salzkartoffeln bedient.
Ich trinke kein Bier, hier wage ich keinen Widerspruch und Lej öffnet seine Fanta als wäre er hier zu Hause.
nachdem wir wie die Fürsten gespeist haben bekommen wir eine Ecke auf Englischem Rasen fürs Zelt mit unverbaubarem Blick übers Wasser und den Hafen.
Lange klöne ich mit den Einheimischen über Landwirtschaft, Fischerei, das Wetter und natürlich Boote. Lej spielt derweil mit den Kindern, irgendwann machen sich die Dänen auf den Heimweg und wir ins Zelt. Ich lasse es offen, Lej möchte ohne Gute Nacht Geschichte mit Blick aufs Wasser einschlafen.
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